Förderinnen des ersten Jüdischen Museums

Obwohl die Gründerväter des ersten Jüdischen Museums alle Männer waren, wurde das Museum von Anbeginn an auch von Frauen durch Schenkungen und Stiftungen unterstützt.

Auch unter den korrespondierenden Mitgliedern des Museums waren einige Frauen, wie die Schriftstellerin und Journalistin Nahida Ruth Lazarus, die 1895 zum Judentum übergetreten war. Sie setzte sich in ihrem schriftstellerischen Werk intensiv mit jüdischen Themen auseinander und hielt auch auf Einladung des Jüdischen Museums Vorträge in Wien.

Tora-Aufsatz
Rimmonim aus Brünn

Eine bedeutende Schenkung erhielt das Museum im Dezember 1905 von Rosa Gomperz aus Budapest. Sie war die Schwiegermutter des bedeutenden Religionswissenschaftlers und Sammlers David Kaufmann.

Bis heute ist in den Sammlungen des Jüdischen Museums Wien ein Paar Tora-Aufsätze erhalten, die sie dem Museum stiftete.

Rimmonim aus Brünn

Ritualobjekt
Ner Tamid aus Mähren

Zur gleichen Zeit schenkte Gomperz dem Museum ein Ner Tamid aus dem Kaufmann’schen Nachlass.
Ner Tamid aus Mähren

Tora-Vorhang
Parochet und Kapporet aus dem Brautkleid von Betty Berger

Sehr oft schenkten Frauen dem Museum Tora-Textilien oder traditionelle Kleidungsstücke, die sie teils selbst angefertigt hatten oder die im Familienverband weitergegeben wurden.

So vermachte Betty Adler, die Frau des Musikwissenschaftlers Guido Adler, dem Museum einen Tora-Vorhang aus Seide. Er war aus dem Brautkleid ihrer Großmutter Babette Berger gefertigt worden.

Parochet und Kapporet aus dem Brautkleid von Betty Berger

Ritualobjekt
Beschneidungs-Decke

Jenny Kronfeld übergab dem ersten Jüdischen Museum über Vermittlung der Israelitischen Kultusgemeinde eine Beschneidungs-Decke. Auf der buntgestickten, die Bindung Isaaks darstellenden Decke, ist in hebräischer Schrift der Name der Stickerin Elke, Tochter des Raw Hirsch Schacherls, vermerkt, die wahrscheinlich eine Vorfahrin der Stifterin war.
Beschneidungs-Decke

Alltagsobjekt
Sterntichel aus der Sammlung Adele Mises

Sehr eng mit dem ersten Jüdischen Museum verbunden war die 1858 im galizischen Brody geborene Adele von Mises. In ihrer Familiengeschichte spiegelt sich auch der Übergangsprozess der galizischen Jüdinnen und Juden von der Orthodoxie zur Aufklärung wider.

Ihre Großmutter Sure Kallir war noch sehr fromm und kleidete sich nach der Art der orthodoxen Jüdinnen: Sie durfte nach der Hochzeit ihr eigenes Haar nicht mehr zeigen und trug eine Perücke, die „Scheitel“ genannt wurde, und über diese eine Haube. Am Schabbat und an den Feiertagen trug sie als besonderen Kopfputz das „Sterntichel“.

Sterntichel aus der Sammlung Adele Mises

Textilie
Frauenhaube

Adele von Mises hatte die orthodoxe Tracht allerdings längst abgelegt. Wie in vielen aufgeklärten, modernen jüdischen Familien wurde auch in ihrer Familie die schwindende Religiosität durch ein kulturelles und wissenschaftliches Interesse an jüdischen Traditionen ersetzt.
Frauenhaube

Kleidung
Sterntichel

Adele von Mises besaß eine bedeutende Sammlung an jüdischem Frauenkopfputz, die sie 1920 dem Jüdischen Museum vermachte.
Sterntichel

Fotoabzug
Fotografie einer Sammlung polnisch-jüdischer Trachten

Wie aus der Fotodokumentation des ersten Jüdischen Museums hervorgeht, schenkte Adele von Mises dem Museum auch drei Puppenmodelle, von denen nur eines bis heute erhalten geblieben ist.

Von Mises starb 1937, ein Jahr vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten, und ist am Wiener Zentralfriedhof begraben. Ihre beiden Söhne Ludwig und Richard Mises überlebten den Zweiten Weltkrieg in den USA.

Fotografie einer Sammlung polnisch-jüdischer Trachten