Chanukkia in Form eines Biedermeier-Sofas
- Object type
- Catalog number
- 554
- Collection
- IKG
- Subcollection
- Erstes Jüdisches Museum
- Place made, Time period
- Wien , um 1872
- Geographic location
- Österreich-Ungarn
- Linked objects
- Credit
- JMW, Inv. Nr. 554

Das Objekt kam am 18. Dezember 1897 als Geschenk von Bauingeniur Robert Kolisch ans erste Jüdische Museum. Im Eintrag des Inventarbuchs steht: ‘Menorah. Rückwand, Silberfiligran, darüber silberner Hahn.’ Die Fotodokumentation des ersten Jüdischen Museums bestätigt, dass einst ein Hahn den Abschluss der Rückwand gebildet hat.
Die Form eines Sofas ist typisch für Wiener Chanukka-Lampen der Periode des Vormärz: Der Biedermeier mit der Betonung auf den Rückzug ins Eigenheim und die Aufwertung von Interiors spiegelt sich auch in der jüdischen Objektkultur wider. Prinzipiell spielen multikulturelle Einflüsse immer eine wichtige Rolle bei der geographischen Bestimmung von Judaica. Gerade das Sofa bzw. die Couch wird gerne auch mit Wiener Gemütlichkeit in Verbindung gebracht - doch nicht nur: die Couch von Sigmund Freud symbolisiert auch das Unterbewusste und das Heimische, das häufig durch das Unheimliche an die Oberfläche kommt. Gleichzeitig steht Freuds Couch seit seiner Emigration bis heute, im wahrsten Sinne des Wortes, in London und somit für Vertreibung der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit.